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Chronik der

Der Ursprung der Altheimer Blasmusik findet sich Anfang des Jahrhunderts in der Person der Landwirts Bernhard Unseld. Die schmalen Einkünfte aus seinem Betrieb in der Hindenburgstraße versuchte er durch eine Tätigkeit als Bauhelfer aufzubessern. Trotz 10 Stunden täglicher Arbeit auf der Baustelle, konnte ihn niemand abhalten noch dreimal wöchentlich mit der Tuba auf dem Rücken nach Mergelstetten zu marschieren, um dort das Baßspiel zu erlernen. Diese Liebe zu Musik hat der Vater auch seinen vier Söhnen David, Bernhard, Leonhard und Jakob mitgegeben. Jeder lernte ein anderes Instrument, so daß ein kleines Familienorchester entstand. Sicherlich hat auch die Lehre Leonhard Unselds als Instrumentenmacher bei der Ulmer Firma Friedrich Reisser darin ihren tieferen Grund.

"Im Jahr 1924 in den Monaten Mai Juni haben sich etwa zehn junge Leute entschlossen, eine Musikkapelle zu gründen, was auch zum Austrag kam aber nur von 6 Mann." So beginnen die Aufzeichnungen aus der damaligen Zeit. Erster Dirigent war der erst 19jährige Leonhard Unseld, der mit den sechs Mann von Juni 1924 an regelmäßig probte. Am 27. Oktober 1924 spielte die junge Kapelle dann zum Herbstmarkt die Tanzmusik, "was bei allen Teilnehmern guten Anklang fand und für uns Reklame gab".

Mit großem Eifer wurde nun weitergearbeitet, um bis Weihnachten noch einige Stücke einzustudieren. Bei der Weihnachtsfeier des Liederkranzes Altheim "sollten wir zum ersten Mal vor einer großen Menschenmenge auf der Bühne im Kronensaal unser Können in Musikvorträgen zeigen". Das Programm wurde eröffnet mit dem Marsch "Gruß aus Urach" von Mahler sowie der eigens beschafften Ouvertüre "Mignonette" von Baumann. Es folgten einige Volks- und Weihnachtlieder, Walzer und schließlich der Marsch "Durch Wald und Flur" welcher " noch besonderes Leben erweckte". Anschließend wurde noch zum Tanz aufgespielt.

Mit diesem Auftritt hatte die Kapelle "hauptsächlich von den verheirateten Leuten guten Beifall und Beliebtheit errungen", welche die Musikanten zu weiterem regelmäßigen Proben antrieb.

Der nächste Auftritt fand dann anläßlich des Lichtmeßmarkts am 2. Februar 1925 statt. Eine große Trommel war gekauft worden und wurde an diesem Tag eingeweiht. Der Chronist notierte zu diesem Tag: " Hatten an diesem Tag wieder guten Erfolg und sind nicht durstig und hungrig nach Haus gegangen. Denn den Spielleut’ tut man schenken alles was zum Mund geht ein".

Am folgenden Sonntag, 8. Februar 1925, machte sich die Kapelle auf zu einem Ausflug nach Börslingen. Die Kapelle ließ auch dort Ihr Spiel erklingen und der Schriftführer notierte hierzu: „Es gab dazu auch viele nasse Tropfen zu verschlingen, was ja beim Musiker eine Sitte und ein Brauch ist." Auch einige Geldspenden konnten dabei eingesammelt werden, so daß die neue Trommel zusammen mit den Einnahmen vom Markt bezahlt werden konnte.

Am Ostermontag spielten die Musikanten zur Saaleinweihung des Gasthauses Ochsen in Weidenstetten. Mit etwas Tanz- und Unterhaltungsmusik kam die Kapelle auf ihr „ Trinken und Essen und noch ein Barmittel für unsere Kasse". Auch auf Heimweg wurde noch musiziert, wozu in den Aufzeichnungen lobend angemerkt wird, daß folglich alle noch „gut auf den Füßen" waren.

Am Pfingstfest wird von einem Ausflug nach Scharenstetten berichtet: „ Es war ein Fußmarsch von 4 Stunden. Morgens 4 Uhr ging es mit klingendem Spiel zum Heimatdorf hinaus und dann durch alle Orte, welche durchreist werden mußten, wurde ein Marsch gespielt. In Luizhausen machten wir einen Halt im Gasthaus „Zum Ochsen", wo uns der erste Morgenschoppen vortrefflich schmeckte nach etwa dreistündigem Marsch. Dann ging es vollends Scharenstetten zu, dem Endziel. Mit einem schneidigen Marsch gings zum Dorf hinein, wo alles mit Begeisterung zusammengesprungen ist, und nun hinunter in Gasthaus „Zum Adler" wo wir unseren großen Durst stillten von dem langem Marsch. Nachmittags wurde musiziert unter großem Beifall und ziemlich nasses wurde uns angeboten, wobei wir in heitere Stimmung gerieten. Nun gings noch in den Gasthof „Zum Löwen" um vollends Schluß zu machen. Mit wackelnden Beinen gings nun der Heimat zu. Aber in Lonsee noch Halt gemacht um uns noch mit an einem oder zwei Glas zu stärken und nun noch zwei Stunden nach der Heimat trafen wir abends um acht Uhr ein, wo der größte Gerstengeist nun entwichen ist. Der Tag war der schönste bis dahin. Auch wird jedem ein Erinnerung bleiben."

Nun wurde die Kapelle auch zu verschiedenen Hochzeiten eingeladen und zwar im Mai bei Georg Bohner in Bräunisheim, im Juni bei Johannes Scheiffele sowie Jakob Schleicher in Altheim. So wie es auch heute noch der Brauch ist, wurde das Brautpaar mit Marschmusik zur Kirche und nach der Trauung zur Wirtschaft geführt. Dort wurde dann zünftig zum Tanz aufgespielt.

Im Laufe des Sommers war die Kapelle auch noch bei zahlreichen Veranstaltungen, vor allem Unterhaltungsmusik bei den Radfahrvereinen der Umgebung. Bei dem einen oder anderen Auftritt schlossen sich auch noch einige junge Männer der Kapelle an, so daß sie bis zur offiziellen Gründungsfeier am 4. Oktober 1925 auf 12 Mann angewachsen war.

Von dieser Gründungsfeier notierte die Chronik folgendes:

„Die hiesige Musikkapelle hielt am 4.Oktonber 1925 ihre Gründungsfeier ab, welche vom Wetter begünstigt war. Zu dieser Feier haben wir unsere benachbarten Kapellen eingeladen, wo von sechs vier erschienen sind und zwar Ballendorf, Bernstadt, Asselfingen und Gerstetten uns sind in folgende Quartiere eingeteilt: Ballendorf im „Lamm", Bernstadt im „Rößle", Asselfingen im „Engel" und Gerstetten in der „Hohen Schule" wo sich auch unser Probelokal befindet. Zum Fest haben wir folgendes Programm festgesetzt, was von Vorstand und Kassier sinnreich zusammengefaßt wurde, die musikalischen Inhalte hatte der Dirigent einzureichen.

Morgens um 5 Uhr spielten wir Tagwache durch die Straßen des Orts. Nachher brachten wir Ortsvorsteher Frank ein Ständchen wo wie keine Dank noch Verzehrung erhielten was uns aber an unserer Feier keinen Schaden machte. Nach dieser Szene gingen wir zum Frühschoppen ins Hotel „Krone". Um 11 Uhr gings zum Mittagessen. Nach dem Mittagessen wurden wir, die Kapelle, 12 Mann stark in dem von den Mitgliedern wunderbar dekorierten Saal photographiert von Photograph Maurer, Gerstetten, was ein sehr schönes Bild ergab. Nach dieser Handlung kamen sämtliche erschienen Kapellen in den Kronensaal zur Massenchorprobe welche von Dirigent Jakob Kiener, Gerstetten geleitet wurde. Um 3 Uhr mittags fand im Hofe beim Gasthaus "Zum Rößle" der Massenchor seien Vortrag, wo der Marsch gespielt wurde „Schwabenland, mein Heimatland" welcher unter den Zuhörermengen guten Beifall fand. Nun gings mit Marschmusik im schönen Zug dem Festsaal im Hotel „Krone" zu, welcher in einer kleine Zeit ausgesteckt voll war.

Als Anfang spielten wir den Marsch „Heimatklänge" von Seifert. Dann hielt Vorstand Schweizer einen überaus schönen, an jeden Musiker mahnenden Vortrag, der Kapelle treu zu bleiben und so weiter zu arbeiten wie bisher, welcher als Begrüßungsansprache seine, schönem Ende mit Beifall begrüßt seinen Schluß fand.

Nun wurde von jeder Kapelle ihr bestes zum Festkonzert gegeben, wo alle Kapellen, auch wir als jüngste Kapelle, schönen Beifall ernteten.

Am Abend zogen die auswärtigen Kapellen wieder ihrer Heimat zu. Wir spielten dann den Zuhörern noch Tanzmusik bis zwei Uhr wo wir zwischen hinein den Musikantenstreit zum Austrag brachten welcher alle Gemüter erfreute.

Am Montag gingen nun einige Mitglieder in die „Krone" und taten dem Fest vollends die Hosen runter, tranken ein Maß Bier und verzehrten einige Heringe.

Nachmittags zigen wir noch ein Bißchen in den Gasthof „Zum Engel" um unseren Durst zu stillen. Abends war dann Abrechnung im Gasthaus Krone. Von wo aus wir befriedigt nach Hause gingen. Dieses Fest wird jedem, welcher dabei war eine Erinnerung bleiben."

Am wenige Wochen darauf folgenden Herbstmarkt war die Kapelle natürlich auch wieder mit Tanzmusik beschäftigt. Diesmal wurden sogar in zwei Abteilungen getrennt, so daß 4 Mann in der „Krone" und 6 Mann im „Engel" aufspielten.

Zu Ehren der Kriegsopfer wurde am 27. November 1925 Trauermusik gespielt. Dargeboten wurden das „Niederländische Dankgebet" und der „Trauermarsch" von Winkler.

Die letzten Auftritte dieses Gründungsjahres waren die Weihnachtsfeier des Liederkranzes sowie ein Ständchen zum 30 Geburtstag von Vorstand Christian Schweizer am 29, Dezember „in früher kalter mit schneebedecktem Gelände froher Morgenstund".

Auch die Finanzen waren seinerzeit schon ein Thema. Die Aufzeichnungen bilanzieren 222,54 Mark Ausgaben und 96,00 Mark Einnahmen zu einem Abmangel von 126,54 Mark, so daß jeder Musiker noch 10 Mark aufbezahlen mußte.

Dennoch überwog sicherlich die Begeisterung, denn die Aufzeichnungen des Jahres 1925 beendete Schriftführer Martin Hörsch mit einem begeisterten „Es lebe hoch der Vorstand"

Ab dem Jahr 1926 wurde ein regelmäßiger Probenbetrieb eingeführt. Dies war auch nötig, nachdem sich die Kapelle immer beliebter wurde. Bei zahlreichen Markttänzen, Hochzeiten, Vereinsfesten und Jubiläen waren die Altheimer Musikanten gern gesehene Gäste. Die Musiker waren dabei auch immer sehr engagiert, denn oftmals mußte man früh am Morgen losmarschieren, da die Festlichkeiten meistens schon um fünf Uhr mit einer Tagwache begannen. Gegen Mittag folgte dann ein Festumzug und anschließend wurde bis in die Nacht hinein zu Tanz und Unterhaltung aufgespielt.

Damals wie heute, war aber auch die Pflege der Kameradschaft ein wichtiges Anliegen der Kapelle, dies läßt sich schon aus den ausführlichen Aufzeichnungen des Chronisten über diverse Ausflüge erkennen. Als Beispiel sei hier der Bericht über eine Schlittenfahrt aus dem Jahr 1926 zitiert: "Es führte der Weg nach Heuchlingen und wir hatten einen feinen Fuhrmann erhalten, Chr. Kröner von hier. Mittags 12 Uhr wurde eingespannt. Nun gings hinaus mit einem schneidigen Marsch, „Deutscher Mut", das Dorf die Hauptstraße hinauf und dann Heuchlingen zu. In Heuchlingen im Gasthof „Zum Hirsch" wurde Halt gemacht und einige Seidel Bier verhaftet, was wir ja können vertragen. Nach einer Stunde gings nun in den Gasthof „zur Linde" wo wir vom Herrn Wirt gut empfangen wurden. Er stellte uns etwa vier Seidel Bier à 5 Liter auf den Tisch welches auch in kurzer Zeit vertilgt war. Zwischen hinein nahm ein jeder ein Vesper ein, welches gut schmeckte. Von da an ging es zum Kaffee in ein Privathaus. Dort wurde musiziert mit großer Begeisterung und der Kaffee war allen sehr willkommen, denn etwas warmes ist ja auch gut. Von dort gings wieder in den „Hirsch", wo uns ein Herr noch einige Flaschen Rotwein bezahlte. Als der verhaftet war, gings froh nach Hause; und wurde im Gasthof „Zum Rößle" noch eingekehrt, denn wir sind lauter Menschen wo trinken können. Dieser Tag soll jedem in Erinnerung bleiben."

Auch die Nachwuchsarbeit wurde nicht außer acht gelassen. Im Jahr 1927 steht in den Aufzeichnungen: „ Auch haben wir zwei junge Leute als Lehrlingen bekommen und wir hoffen daß diese sich gut vorbereiten werden". Natürlich wurden dann auch neue Instrumente gebraucht. Aus Kostengründen konzentrierte man sich auf Gebrauchte und so macht man sich in eine Nachbargemeinde auf, um einen Baß zu erstehen. Dieser war aber nicht sofort zu haben, denn er stand in der Wohnstube hinter den Ofen gelehnt. Das Baßstück war mit Stroh gefüllt und eine Glucke brütete darauf friedlich ihren Nachwuchs aus.

Der Mitbegründer und Initiator der Altheimer Musikanten, Bernhard Unseld sen. verstarb im Jahr 1939. Seine Söhne und Musikkameraden begeleiteten ihn musikalisch auf seinem letzten Gang.

Der zweite Weltkrieg blieb natürlich nicht ohne Einfluß auf die Kapelle, so daß die Aktivitäten fast ganz zum Erliegen kamen.

Im Jahre 1949 hatte sich die Kapelle wieder neu formiert und es fand am 5. März eine Generalversammlung im Haus des Bernhard Unseld statt. Anwesend waren: Leonhard Unseld, David Eckhard, David Unseld, Bernhard Unseld, Georg Staudenmaier, Martin Hörsch, Georg Mailänder, Karl Unseld und Albert Unseld.

Jakob Unseld sen., inzwischen in Beimerstetten verheiratet konnte wegen „Schneewehen" nicht erscheinen und Marx Röder war anderweitig eingeladen.

Einstimmig gewählt wurden zum Vorstand wurde Georg Staudenmaier und zum Kassier und Schriftführer Martin Hörsch. Der Beitrag wurde auf 0,50,- DM monatlich festgelegt. Die Proben waren auf Samstags im Gasthaus „Engel" ausgemacht. Allerdings waren im Sommer zahlreiche Hochzeiten und andere Feste zu spielen, so daß nicht wenige Proben ausfallen mußten. Im Herbst wurden dann aber wieder „etliche neue Tänze gekauft" und einstudiert.

Im Jahr 1950 stieß Erich Langner aus Zähringen zur Kapelle die nun eine Stärke von 11 Mann aufwies.

Das 25jährige Jubiläum richtete die Kapelle am 24. Juni 1951 aus. Es erschienen Gastkapellen aus Gerstetten, Söhnstetten, Dettingen, Jungingen und Erbach. Schriftführer Martin Hörsch notierte hierzu:

„Der Festzug wurde aufgestellt. Obwohl es schien, als ob wenige Karten zum Verkauf kommen würden, wendete sich das Blatt zu unseren Gunsten. Der Umzug war ein voller Erfolg. Nach dem Einmarsch auf dem Festplatz wurde sofort begonnen mit der Abwicklung des Programms. Bewunderung bei der Bevölkerung lösten die Vorträge der Kapellen aus. Leider wurde die selten gute Stimmung durch das plötzlich hereinbrechende Gewitter zerstört. Die Vereine gingen in ihre zugewiesenen Lokale. Die größte Anzahl der Bevölkerung hatte alle Mühe in den Gaststätten ein Plätzchen zu finden.

Als unsere Kapelle überzeugt war, daß das Wetter nicht mehr besser werden wollte, gingen wir auf einen kleinen Besuch zur Kapelle Erbach, welche im „Hirsch" einquartiert war. Unsere Kapelle machte anschließend Tanzmusik im „Engel", wobei ebenfalls der Musikverein Erbach einen Besuch abstattete mit Vortrag von etlichen schönen Märschen. Der Abschied erfolgte in freundlicher Verbundenheit. Als äußeres Zeichen der Dankbarkeit für die Gastfreundschaft übersandten wir etliche Wochen später einen Krug mit „Gewidmet von Musikkapelle Altheim/Alb.

Die übrigen Kapellen hielten sich in ihren Lokalen sehr tapfer, an der Stimmung konnte auch das Wetter nicht viel ändern. "

Im Herbst 1951 wurden auch sieben Jungmusiker in die Kapelle aufgenommen. Dirigent Leonhard Unseld „setzte sich mit der ganzen Kraft dahinter, um aus den Zöglingen brauchbare Musiker zu machen". Offenbar nicht ohne Erfolg, denn schon zu Weihnachten konnten sie ihm ein kleines Ständchen bringen.

Zum Jahreswechsel 1951/52 wurde dann auch das Probelokal ins Gasthaus „Hirsch" verlegt, da der Saal im „Engel" oftmals anderweitig belegt war und deswegen eine kontinuierliche Probenarbeit nicht möglich war.

Neuer Vorstand wurde im Jahr 1952 Bürgermeister Gökelmann, nachdem Georg Staudenmeier aus Altheim weggezogen war.

Am 1. Januar 1953 wurde ein Kapellenstärke von 14 Mann festgestellt, außerdem gab es noch drei Zöglinge.

Der Jahresbericht von 1953 berichtet weiterhin von zahlreichen Auftritten bei Garten- oder Waldfesten, wodurch nicht zuletzt die Kasse wieder etwas aufgebessert werden konnte, Schließlich konnte auch ein Ausflug durchs „Württemberger Ländle" durchgeführt werden.

Bei der Generalversammlung am 20, Februar 1954 wurde Karl Unseld neuer Vorstand. Kassier und Schriftführer war nach wie vor Martin Hörsch.

Anläßlich des Musikfestes in Jungingen wurde Leonhard Unseld, David Unseld, Bernhard Unseld, Jakob Unseld, David Eckhard und Marx Röder eine Ehrung zuteil.

Mit Bedauern notierte der Schriftführer, daß die gesamte Kapelle 1954 nur siebenmal aufgetreten war. Es traten zwar noch zwei Jungmusiker bei, aber der Probenfleiß ließ doch erheblich nach; die Proben wurden oftmals nur mehr monatlich statt wöchentlich abgehalten.

Die zweite Hälfte der 50er Jahre brachte den Altheimer Musikanten leider zunehmend ähnliche Probleme. Die jüngeren Musiker engagierten sich in Tanzkapellen, wodurch sich zunehmend Terminschwierigkeiten einstellten. Die Auftritte wurden immer seltener. Als dann Leonhard Unseld im Januar 1959 den Dirigentenstab niederlegte, wollten auch die älteren Herren nicht mehr weitermachen.

In den 60er Jahren fanden sich immer wieder einige Musiker zusammen, die die Tradition der Altheimer Kapelle am Leben erhielten, aber allzu oft lösten sich diese Gruppen nach wenigen Auftritten wieder auf.

Das änderte sich schließlich grundlegend mit der Neugründung am 11. Juni 1967. Im Gasthaus „Hirsch" trafen sich die acht begeisterten Musiker Karl Unseld, Heinz Unseld, Fritz Monz, Helmut Seidel, Stefan Nemesch, Georg Eckhardt Ernst Eckhardt und Jakob Unseld. Es wurde ein Mitgliedsbeitrag von 50 Pfennig je Probe festgesetzt. Zum Schriftführer wurde Heinz Unseld bestimmt und zum Kassier Helmut Seidel. Einen Vorstand wählte man nicht, in der Meinung dieses Problem gemeinsam lösen zu können. Bereits am folgenden Mittwoch war die erste Probe. In den nächsten Wochen wurde die Kapelle noch durch Marx Röder, Oswald Miller, Alois Oberkirsch, Karl Kiener und Ernst Sauter verstärkt. Die musikalische Leitung übernahm Karl Unseld.

Der erste Auftritt folgte bereits nach einem guten Monat als zur Hochzeit von Bernhard Unseld aufgespielt wurde.

Am 29. Oktober machte sich die Kapelle mit einem Standkonzert in Gerstetten auch außerhalb von Altheim bekannt.

Eine Altmetallsammlung im November sollte die knappe Kasse für die Beschaffung von Noten auffrischen. Allerdings wurde mit dem Abnehmer offenbar sehr hartnäckig verhandelt, denn die 12t Alteisen konnten schließlich erst folgenden im März verkauft werden.

Nach dem Jahreswechsel konnten schon wieder drei neu Mitglieder aufgenommen werden, es waren Matthias Wolf, Helmut Keller und Walter Bemsel.

Am 2. Februar 1968 veranstaltete der Musikverein einen Faschingsball im Kronensaal. Die Musiker spielten abwechselnd mit einer modernen Tanzkapelle versuchten so jede Alt und Jung gleichermaßen zu begeistern.

Im Sommer des Jahres 1968 war die Kapelle auch schon bei zahlreichen Garten- und Waldfesten in der Umgebung engagiert. Über Fronleichnam, 13. Juni, wurde ein Sommernachtsfest in Altheim veranstaltet. Die Musikvereine Gerstetten und Heldenfingen sowie der Liederkranz Altheim bereicherten das Programm des gelungenen Festes.

Anfang 1969 konnten vier Jungmusiker geworben werden. Eugen Bosch, Gerhard und Christian Walter sowie Jakob Junginger begannen erlernten verschieden Instrumente.

Da eine Tanzkapelle auch damals schon sehr teuer war, wurde 1969 statt eines Balls ein Kinderfasching vom Musikverein ausgerichtet. Ein bunter Umzug zog vom Schulhaus durchs Dorf zur „Krone". Dort wurde noch kräftig aufgespielt. „Die jungen Narren waren bald in großer Stimmung, die dann mit einem ohrenbetäubenden Schießen der Indianer, Cowboys und dergleichen endete. "

Über einen turbulenten Tag berichtet der Chronist dann am 29. Juni 1969: „ Der Musikverein Westerstetten feierte sein 10jähriges Jubiläum verbunden mit dem Bezirksmusikfest, zu dem wir eingeladen wurden und mit Erfolg teilnahmen. Den Festzug mußte wir kurz vor dem Festzelt verlassen, um nach Bernstadt zu fahren, wo wir den Umzug des Gaukinderturnfestes spielten. Anschließend fuhren wir wieder nach Westerstetten, um den dort dargebotenen Musikstücken zu lauschen. Beim Aufruf unserer Kapelle konnte wir dann unser eingeprobtes Stück „ Frühling auf der Alm" zur Darbietung zu bringen. Unser Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen."

Am 6. Juli richteten die Musikanten wiederum ein Waldfest in Altheim aus. Zusammen mit den Gastvereinen aus Heldenfingen und Gerstetten wurde das Fest mit einem Sternmarsch eröffnet und dann auf dem Festplatz an der Markt fortgesetzt.

Im Jahr 1970 wurde eine einheitliche Kleidung beschafft, die zum Standkonzert am 3. Mai in Altheim präsentiert wurde. Um nicht allzu uniformiert auszusehen, entschied man sich für dunkelblaue Jackets, gelbe Westen und graue Hosen. Durch die Auflösung der Werkskapelle der Pflugfabrik Eberhard konnten zudem Schränke, Noten, Instrumente und 15 Blauhemden günstig erworben werden.

In den folgenden Jahren war die Kapelle immer gut beschäftigt mit zahlreichen Festen und Jubiläen in der Umgebung. Seit 1971 nahmen die Altheimer Musikanten auch regelmäßig an den jährlichen Albmusikertreffen teil. Auch die von nun an stattfindenden Altheimer Festtage brachten immer viel Arbeit für den Musikverein.

Auch das Probelokal mußte mehrmals gewechselt werden. Zunächst zog man vom „Hirsch" in die „Krone" um, dann ins alte Schulhaus und schließlich ins alte Pfarrhaus am Marktplatz.

Eine komplette Vorstandschaft wurde erstmals 1971 gewählt. Vorsitzender war Karl Unseld, Kassier Fritz Monz und Schriftführer Jakob Unseld.

Im Jahr 1972 wurde die Kapelle um ein Gesangsduo ergänzt. Frieda Junginger aus Söhnstetten und Ernst Sauter aus Bräunisheim begründeten den speziellen Klang, für den die Altheimer Musikanten auch heute noch bekannt sind.

Über all der musikalischen Arbeit wurde auch die Kameradschaft nicht vergessen. Die Jahresberichte nennen zahlreiche Besuche bei den auswärtigen Mitgliedern, denen man als Dank für ihre Bemühungen wenigstens einmal im Jahr ein Ständchen brachte. Aber auch die Jahresausflüge der Kapelle waren immer ein besonderes Ereignis. So sei hier zum Beispiel der Ausflug vom 8. und 9. September 1973 genannt, über den Schriftführer Jakob Unseld notierte: „Am Samstag früh gings von Altheim über Landsberg, Schongau nach Garmisch-Partenkirchen, wo wir uns über die Abfahrtzeiten der Zahnradbahn zur Zugspitze erkundigten. Bei der Auskunft erfuhren wir dann, daß wir erst in einer Stunde hinauffahren konnten. Deshalb beschlossen wir, bis Greinen weiterzufahren und von dort aus mit der Drahtseilbahn hochzufahren. Die Abfahrt konnten wir zur Zufriedenheit aller mit der Zahnradbahn unternehmen, so daß es wohl für viele ein einmaliges Erlebnis wurde. Diese wunderschöne Fernsicht von Deutschlands höchstem Berge wird wahrscheinlich vielen lange in Erinnerung bleiben. Von dort wurde unser Endziel, die Ehrwalder Alm in Österreich angefahren. Ab Ehrwald gings mit einem Sessellift zur Hütte in der wir übernachteten. Dort verbrachten wir dann auch einen gemütlichen Abend. Am Sonntagmorgen machten wir eine kleine Bergtour zu einer nahegelegenen Alm, wo wir uns für den Rückmarsch ausruhten und stärkten. Auch hier hatten wir eine wunderschöne Aussicht und dazu ein sagenhaftes Wetter. Nach dem Mittagessen Auf der Ehrwalder Alm fuhren wir mit dem Lift wieder zurück zu unserem Bus nach Ehrwald. Während der Abfahrt ins Tal spielte unser Helmut Seidel auf seiner Trompete fröhliche Weisen, wobei unser Hans Nanz wohl eingeschlafen sein muß. Als der nämlich unten auf der Station ankam, schlief er fest in seinem Sessel, so daß wir alle Mühe hatten, ihn so schnell wie möglich wach zu bekommen. Die Rückreise führte uns nach Garmisch über Murnau ins Kloster Andechs, wo unser letzter Halt war. Hier konnte sich noch jeder bei einem dunklem Maß Bier, Rettichen und Käse satt essen. So gingen ein paar schöne Tage zu Ende, die wohl für jeden Freude und Erinnerung wurden."

Im 1974 wurde eine neue Vorstandschaft gewählt. Erster Vorsitzender wurde Eugen Bosch, sein Stellvertreter Jakob Unseld, zum Schriftführer wurde Manfred Scheiffele gewählt, der im folgenden Jahr auch das Amt des Kassiers von Fritz Monz übernahm.

Das Jahr 1975 war dann vor allem geprägt durch das 50jährige Jubiläum der Altheimer Musikanten, das vom 7.- 11. Mai gefeiert wurde.

Nach vielen vorbereiteten Ausschußsitzungen wurde am Freitag zuvor bei strömendem Regen mit dem Aufbau des Festzeltes begonnen. Zwar hatte man nun vier Tage Zeit für die restliche Vorbereitungen, aber wie immer lief am Ende die Zeit davon.

Zum Auftakt des Jubiläums spielten am Mittwoch die legendären „Five Blackies", welche gleich für ein volles Haus sorgten.

Am folgenden Himmelfahrtstag stand um 13 Uhr ein Damenfußballspiel auf dem Programm. Dieses zog offenbar zahlreiche Fans an, so daß das Zelt zum Faßanstich um 14.30 Uhr gut gefüllt war. Die Altheimer Musikanten spielten an diesem Nachmittag selbst, doch Schriftführer Scheiffele notierte zu diesem Auftritt kritisch: „Wenn man es sich aber richtig überlegt hätte, hätte man einen anderen Musikverein geholt, denn es war unmöglich hier zu spielen und da zu verkaufen. Jetzt fehlte der Wein, nachher die Würste und immer mußte einer der Musikanten den Verkaufsstand mit Nachschub versorgen, dann wieder spielen. Das Ergebnis war überdeutlich in den Lautsprechern zu hören."

Am Abend folgte dann ein Festakt wobei die Gründungsmitglieder David Eckhard, Bernhard Unseld, Jakob Unseld, Claus Schurr, Fritz Huber und Leonhard Unseld geehrt wurden. Die Umrahmung gestaltete die Albkapelle Dettingen.

Am Freitag wurde als Ruhepause für die Musikanten und sonstigen Helfer lediglich ein gemütliches Beisammensein mit Tonbändern und Schallplatten angeboten. Trotzdem fanden noch etwa 50 Gäste den Weg ins Festzelt.

Ein großes Kinderfest eröffnete den Samstag, bei dem zahlreiche Gruppen am Umzug teilnahmen. Am Abend war beim großen „Bunten Abend" mit zahlreichen bekannten Künstlern das Zelt wieder bis auf den letzten Platz gefüllt, was der Chronist nicht zuletzt dem gut organisierten Vorverkauf zuschrieb.

Der Höhepunkt des ganzen Jubiläums war schließlich das große Albmusikertreffen am Sonntag,11. Mai. Nachdem um 5 Uhr die Trachtenkapelle Söhnstetten zur Tagwache geblasen hatte, startete um 13 Uhr der Sternmarsch der acht Kapellen zum Marktplatz. Dort dirigierte Dirigent Karl Unseld den Massenchor mit dem Marsch „Gruß an Kiel".

Danach ging es hinauf zum Festplatz, wo das Nachmittagskonzert begann.

Den Ausklang gestalteten schließlich am Abend noch einmal die „Five Blackies".

Dieses Jubiläum war in jeder Hinsicht ein großer Erfolg für den Musikverein. Die Umsätze waren großartig, insgesamt rannen 85 Hektoliter Bier die Kehlen der Gäste hinab, die von Zapfmeister Georg Henseler unermüdlich eingeschenkt wurden. Zu seiner Sicherheit hatte er noch einen Farrenschwanz neben der Theke deponiert, mit dem er einem aufmüpfigen Gast notfalls eines überziehen konnte. Fritierexperte Günther Göggelmann triefte schließlich der Schnurrbart, nachdem er 16 Zentner Kartoffeln in knusprige Pommes verwandelt hatte. Nachdem am Sonntag Abend auch noch die Backwaren zuneige gingen, mußten die Musikanten auch noch schnell durchs Dorf laufen und aus allerlei privaten Speisekammern Brot und Wecken plündern.

Sofort nach Programmschluß wurde dann mit den Aufräumarbeiten begonnen. Bis um 7 Uhr war die gesamte Inneneinrichtung abgebaut, obwohl mancher Musiker schon am Rande seiner Kräfte war. Danach wurde noch das Zelt abgebrochen und bis zum Nachmittag war dann der ganze Festplatz aufgeräumt.

Dieses Fest war sicherlich eines der größten Leistungen der Kapelle.

Noch ohne die Unterstützung durch passive Mitglieder, hatten sich alle Musiker in den Dienst der gemeinsamen Sache gestellt und unermüdlich am Gelingen dieses Jubiläums gearbeitet.
 
 

Im Jahr 1978 konnten dann durch eine groß angelegte Werbeaktion 154 passive Mitglieder für den Musikverein geworben werden. Die Satzung wurde modernisiert und der Ausschuß auf 11 Mitglieder vergrößert. Neuer Vorstand wurde Manfred Mühl. Die angestrebte Eintragung ins Vereinsregister folgte 1980.

Nach wie vor war die Kapelle noch gut beschäftigt. Auch ungewöhnliche und kuriose Auftritte wurde absolviert, wie zum Beispiel anläßlich eines Weltrekordversuchs im 24 Stunden Radfahren in Ulm. Die Chronik berichtet: „ Anstatt einem freundlichen Bierzelt in der idyllischen Friedrichsau fanden wir bei der Anreise am Sonntag Morgen eine Bude die jeder Beschreibung spottete. So mußten wir zuerst aufräumen, das Bierzelt lüften und mit Besen den knöcheltiefen Unrat von der Tribüne fegen. Bis die Leute des örtlichen Managers Czeri aus einem daneben stehenden Wohnwagen krochen, über Kopfschmerzen klagend den Weg zum Zapfhahn suchten, um erneut den Brand zu löschen. Mit voller Besetzung spielten wir dann kräftig auf. Leider hielt sich der Besucherandrang sehr in Grenzen." Tatsächlich waren während der ganzen zehn Stunden des Auftritts immer mehr Musiker als Gäste in dem Festzelt. Das Angebot an Speis und Trank sorgte dennoch für eine gute Stimmung in der Kapelle.

Mit Beginn der 80er Jahre wurde auch die dringend notwendige Jugendarbeit begonnen. Die bisherige Kapelle war durch verschiedene Austritte an die Grenze der Spielfähigkeit geraten und wenn dann einmal ein Musiker verhindert war, gab es alsbald schwere Vorwürfe von den Kameraden. 20 Mädchen und Buben konnten damals die Blasmusik begeistert werden, so daß auf jeder Stimme ein junger Musiker ausgebildet werden konnte. Unter der Leitung von Dirigent Karl Unseld erreichte die Jugendkapelle schnell respektable Leistungen. Schon nach einem Jahr konnten im Rahmen des Frühjahrskonzerts drei Stücke aufgeführt werden und am 17. Juni 1983 erreichte die Kapelle beim Jugendkritikspiel in Oberdischingen die Note „gut". Ende 1983 wurde die Jugendkapelle dann schon in das aktive Orchester integriert.

Frischen Wind gab es auch im Vorstand. 1981 wurde der erst 20jährige Erwin Mayer zum Vorstand gewählt. Bis heute führt er den Musikverein mit seiner zielstrebigen Art. Er inspirierte seine Kameraden mit neuen Ideen und Projekten, von denen zahlreiche mit vereinter Kraft vorangetrieben wurde.

Seit 1980 veranstalten die Altheimer Musikanten regelmäßig ein Frühjahrskonzert in der Osterzeit. Von Anfang an waren diese Konzerte beim Publikum sehr beliebt, denn sie zeigen mit den aufgeführten konzertanten und modernen Stücken eine Seite der Kapelle die bei den sonstigen Auftritten wenig gefragt ist.

Im Jahr 1982 war dann wieder einmal ein Umzug nötig. Durch den Umbau des Rathauses mußte das alte Problokal aufgegeben werden. Im neuerstellten Feuerwehrhaus stellte die Gemeinde den Musikanten einen Raum zur Verfügung, der in zahlreichen Stunden ausgebaut und eingerichtet wurde. Obwohl die Platzverhältnisse etwas beengt waren, freuten sich die Musikanten über den neuen Raum, vor allem nachdem im alten Probelokal der Ölofen einer Verpuffung zum Opfer gefallen war.

Erstes Großereignis der 80er Jahre war dann das 60jährige Jubiläum vom 5. Bis 9. Juni 1985. Eröffnet wurde das Fest mit eine Tanzabend.

Am folgenden Donnerstag wurde zunächst ein historischer Füllestanz am Sportplatz aufgeführt, bevor Bürgermeister Grupp im Zelt den Faßanstich durchführte. Die Altheimer Musikanten spielten fleißig zur Unterhaltung und anders als zehn Jahre zuvor, lief auch der Bewirtungsbetrieb reibungslos. Am Abend berichtet die Chronik von einem sehr erfolgreichen Konzert der Original Burgenlandkapelle unter der Leitung von Robert Payer. Am Freitag, 7. Juni, fand dann der große Festabend unter Mitwirkung der Landjugend Trachtengruppe Ballendorf, dem Liederkranz Altheim und natürlich dem Musikverein statt. Neben zahlreichen Reden und Vorführungen wurden auch viele Ehrungen ausgesprochen. Unter anderem wurde unseren Musikkameraden Karl und Jakob Unseld das Landesehrenzeichen verliehen.

Am Samstag Nachmittag wurde ein großes Kinderfest mit Umzug abgehalten. Am Abend war wieder ein Tanzveranstaltung mit den Lonetalspatzen. Schriftführer Eugen Bosch notierte hierzu: „Das Zelt konnte den Ansturm kaum fassen, ein gelungener Abend. Jedoch im Festzelt sah es aus wie in einer Räuberhöhle. Die Tribüne halb abgebrochen und in der Bar 4½ Schubkarren Glasscherben, die allenfalls als Glück für die Barkasse gedeutet werden konnten."

Schon früh um 5 Uhr spielten die Musikanten am Sonntag dann wieder zu Tagwache, allerdings hatte man Rücksicht auf die Kondition genommen und bewegte die Kapelle auf einem Anhänger durch die Straßen. Zum Frühschoppen spielten die Musikkameraden aus Heldenfingen bis um 13 Uhr der große Festumzug durchs Dorf zog. Das 15 Albmusikertreffen war mit dem Jubiläum verknüpft worden, so daß der Nachmittag mit den Vorträgen der Gastkapellen ausgefüllt war. Den Ausklang gestaltete schließlich die Albkapelle Dettingen.

Als am Montag abend dann der Festplatz wieder geräumt war, waren alle Musiker zufrieden über ein erfolgreiches Fest mit einem anspruchsvollen Programm und gutem Besuch.

Nach vielen erfolgreichen Jahren zog sich Karl Unseld zum Jahresende 1985 vom Dirigentenpult zurück. Er blieb dem Musikverein aber bis heute als wertvoller Jugendausbilder und auch als aktiver Musiker verbunden. Sein Nachfolger wurde Robert Höft. Er setzte die erfolgreiche Arbeit seines Vorgängers fort, brachte aber auch seinen eigenen Stil ein. Die Anforderungen an die Musiker stiegen mäßig aber bestimmt, was aber vom Publikum besten honoriert wurde.

Eine neue Bekleidung wurde im Jahr 1986 angeschafft. Nachdem die gelben Westen schon lange nicht mehr zeitgemäß waren und sich die Farbtöne durch diverse Nachkäufe auch nicht mehr glichen, entschloß sich die Vorstandschaft für eine komplett andere Uniform. Nach vielen Beratungen auch mit der gesamten Kapelle entschied man sich schließlich für eine Tracht mit roter Weste und graublauem Jacket, dazu wurden schwarze Hosen gewählt. Die heute üblichen Lederhosen wurden Mitte der 90er Jahre eingeführt. Zum Frühjahrskonzert 1986 wurde die neue Uniform präsentiert.

Im Jahr 1987 fand die erste Konzertreise der Altheimer Musikanten statt. Vom 13. – 17. Juni war die Kapelle an der Südtiroler Weinstraße unterwegs und fand bei zwei Platzkonzerten auch dort aufmerksame und begeisterte Zuhörer.

Im Frühjahr 1989 produzierten die Altheimer Musikanten ihren ersten Tonträger. Nach zahlreichen Proben konnte das Album „Altheimer Musikanten spielen für Sie" im Februar in Bad Wörishofen eingespielt werden. Nicht ohne Stolz wurde die Schallplatte wenige Wochen darauf am Frühjahrskonzert präsentiert und auch heute ist die Aufnahme noch durchaus hörenswert.

Als Jahrzehnt der Reisen werden die 90er Jahre sicherlich in die Vereinsgeschichte eingehen. Die erste führte vom 13. bis 17. Oktober 1993 wiederum nach St. Pauls in Südtirol. Lange hatten die Musiker auf Vorstand Mayer eingeredet, nochmals eine solche Reise zu organisieren, nachdem die erste 1987 ein solcher Erfolg war. In den fünf Tagen wurde die Bergwelt genossen und die Kameradschaft gepflegt, aber auch zwei Platzkonzerte wurden aufgeführt.

Das Jahr 1994 ist vielen Musikanten noch gut in Erinnerung. Es muß sowohl als das anstrengendste wie auch eindrucksvollste Jahr der jüngeren Vergangenheit angesehen werden. Zunächst richteten die Altheimer Musikanten die Altheimer Festtage verbunden mit dem 24. Albmusikertreffen aus. Vom 12. Bis 15. Mai waren alle Musikanten im Bierzelt engagiert. Zu diesem Fest wurde auch die Freundschaft mit der donauschwäbischen Volkstanzgruppe aus Werischwar bei Budapest begründet. Etwa 40 junge Ungarn waren über die Festtage zu Gast in Altheim und bereicherten unser Festprogramm mit zwei Auftritten. Höhepunkt der Festtage war natürlich das Albmusikertreffen am Sonntag. Um 13 Uhr begann der Sternmarsch der Kapellen, die sich am Bantel trafen. Der Massenchor mit zwei Märschen und der deutschen Nationalhymne waren der eindrucksvolle Auftakt für das Nachmittagskonzert.

Nur wenige Wochen später brachen die Altheimer Musikanten dann zu ihrem bisher größten Abenteuer auf. Auf Einladung der Concord Singers aus New-Ulm, Minnesota war der Verein vom 12. bis 23. Juli in den USA unterwegs. Ein Wochenende gastierten wir dabei in New-Ulm und traten mehrmals beim dortigen „Heritagefest" auf. Nachdem man dort privat bei den Concord Singers nächtigte, kam auch schnell Kontakt zur Bevölkerung zustande. Eine weitere Woche wurden dann die Sehenswürdigkeiten der neuen Welt bestaunt. Wehmütig stieg man schließlich ins Flugzeug nach Hause. Alle Teilnehmer dieser Reise schwärmen noch heute von den Erinnerungen und vielleicht läßt sich in den nächsten Jahren das Unternehmen wiederholen.

Im September 1995 legte Dirigent Robert Höft sein Amt nieder. Schon länger waren Spannungen zwischen ihm und der Vorstandschaft vorhanden gewesen, so daß sein Entschluß zwar überraschend und bitter für manchen Musiker war, sich aber dennoch nachvollziehen ließ. Neuer Dirigent wurde mit dem Jahreswechsel 1995/96 Ralf Wöhrle aus Heldenfingen.

Ende September fand dann der Gegenbesuch des Musikvereins bei unseren Freunden in Werischwar statt. Die fünftägige Reise nach Ungarn wurden natürlich auch für einige Besichtigungen genutzt. Im Mittelpunkt standen aber unsere Auftritte beim Werischwarer Weinfest. Insgesamt viermal ließen die Musikanten die Instrumente erklingen. Nebenbei wurden natürlich viele Freundschaften gepflegt und auch zahlreiche neue begründet.

Die bislang letzte Konzertreise fand im April 1996 statt. Der Maschinenring Wesermünde hatte uns zu seinem 20jährigen Jubiläum eingeladen. Beim Festakt und bei einem Unterhaltungsabend brachten wir beste Stimmung in die norddeutschen Gefilde. Unsere Gastgeber waren vollauf begeistert und haben die Musikanten bereits wieder für das Jahr 2001 eingeladen.

Unstet blieb in den folgenden Jahren die musikalisch Leitung der Kapelle. Nach knapp zwei Jahren legte Ralf Wöhrle den Dirigentenstab aus persönlichen Gründen nieder. Sein Nachfolger wurde Josef Riedl. Er brachte wieder frischen Wind in den eingeschliffenen Probenalltag, was unsere Auftritte merklich belebte. Auch die Disziplin in den Proben besserte sich merklich, so daß im Winter 1997/98 die erneute Produktion einer CD gewagt werden konnte.

Nach einem unschönen Vorfall mußte im Sommer 1999 Josef Riedl allerdings gekündigt werden. Hans Nanz leitete die Altheimer Musikanten im Jubiläumsjahr 2000 bevor Waldemar Bohn im Oktober 2000 den Dirgentenstab übernahm.

75 Jahre Geschichte und Tradition blicken nun auf die heutigen Altheimer Musikanten. Begeisterte Musiker mit Gründergeist schufen eine Kapelle, die ihren guten Ruf bis heute erhalten hat. Nach einigen Krisen existiert heute ein gefestigter Musikverein mit knapp 30 aktiven und mehr als 250 passiven Mitgliedern. Zahlreiche Zöglinge sind derzeit in Ausbildung und werden bald über die gemeinsame Jugendkapelle Dettingen-Heldenfingen-Altheim den Weg ins aktive Orchester finden.

Im Altheimer Kulturleben hat der Musikverein seinen festen Platz. Traditionstermine sind das Frühjahrskonzert, der Füllestanz am Herbstmarkt, die jährliche Gedenkfeier für die Opfer der Weltkriege und schließlich das Weihnachtsspielen am Heiligen Abend. Beim Neenstetter Huzlafest, dem Hörvelsinger Maifest und auch beim jährlichen Albmusikertreffen sind die Altheimer Musikanten bekannt für gepflegte Blasmusik und gute Unterhaltung. Die völkerverbindenden Wirkung der Musik wurde bei den verschiedenen Konzertreisen nach Südtirol, Ungarn und Amerika wiederholt demonstriert und erfahren.

75 Jahre Tradition sind für die Altheimer Musikanten Erfolg und Verpflichtung zugleich. Möge auch in Zukunft der Musikverein Altheim die gute Laune in nah und fern verbreiten.

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